Brother P'9981 User Manual Page 2

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war Hermann-Georg Rexroth schon tot: am 8.9.1943 ist er zwischen
Genua und La Spezia gefallen. Rexroth, der nie in der NSDAP war,
gehört also zu der wahrhaft verlorenen Generation der Autoren, die in
den Dreissigerjahren zu publizieren anfingen und den Krieg nicht
überlebten oder nach ihm nicht mehr Tritt fassen konnten. Alle Be-
mühungen der Witwe, den „Wermutstrauch“ neu herauszubringen, sind
gescheitert: Man wollte dieses Bild vom Grauen an der Ostfront nicht.
Der junge H. Goverts-Verlag (geleitet von Henry Goverts und Eugen
Claassen) war unter den in Nazideutschland verbliebenen oder neu
gegründeten Verlagen wohl der mit dem anspruchsvollsten literarischen
Programm. Mit erstaunlich wenig Konzessionen an die Nazis gelang es
ihm, durch den Krieg zu steuern. Es war Rexroths Generationsgenosse
Friedo Lampe, der Goverts auf diesen Autor aufmerksam machte und
ihn empfahl, allerdings nicht ohne beizufügen: „Allerdings hätten Sie
dann einen Düsterling mehr im Verlag.“
Düster in der Tat ist die Welt Rexroths. „Ein schwacher Held“ heisst eine
der Geschichten im Stundenglas fast programmatisch, denn schwach
sind alle diese ‚Helden‘: unsicher, ängstlich, allein und verloren in einer
atmosphärisch unheimlichen und zwielichtigen, ihnen feindlichen Welt,
die sie nicht durchschauen. Sie lassen sich treiben, ohne zu erreichen,
was sie eigentlich wollen und wünschen. Und wenn sie einmal doch
handeln, wird es ein Mord aus Eifersucht: „Ich wollte mein Glück und das
Glück eines anderen Menschen, und es wurde ein Verbrechen. Bin ich
ein Verbrecher? […] Also von allem Anfang an ein Verruchter? Nein
ein Verdammter, und das hat keiner gesehen!
Im Roman im selben Band, „Junge und alte Liebe“, kommt ein junger
Jurist zu seinem Onkel, einem Landrat, aufs Land, um eine geringe
Stellung anzunehmen. Er verliebt sich in die junge Frau des Landrats
und sie in ihn. Doch den Intrigen des a/jointfilesconvert/301211/bgefeimten und undurchsichtigen
Sekretärs ist er nicht gewachsen, er gerät an die Magd, mit der sich der
Landrat seiner Zeit vergnügt hatte, um sie dann sitzen zu lassen
Mit diesem Hinweis auf einen unbekannten Autor, liebe Mitglieder der Mu-
seumsgesellschaft, verabschiede ich mich nach vierzehn Jahren mit herz-
lichem Dank für Ihr Interesse und für die vielen interessanten Gespräche
an der Bibliothekstheke! Bleiben Sie der Bibliothek und ihrem Team unter
der Leitung meiner Nachfolgerin Mirjam Schreiber treu! Thomas Ehrsam
Rexroth, H. G.: Das Stundenglas. Ein Roman und drei Erzählungen,
Hamburg: Goverts 1940. MUG: K 7602.
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